Frauen können alles - auch Feuerwehr

Kisslegg/sz Zur aktiven Abteilung der Feuerwehr Kißlegg gehören 93 Männer und fünf Frauen. Eine davon ist Samina Welte. Die 28-Jährige wie auch ihre Schwester Noemi sind quasi mit der Feuerwehr aufgewachsen. „Mein Uropa war Kommandant bei der Feuerwehr, mein Opa auch und mein Vater Hubert Welte hat 1995 die Jugendfeuerwehr gegründet“, erzählt Samina Welte.

Bei soviel Feuerwehrlern in der Familie war es naheliegend, dass Samina und dann auch ihre drei Jahre jüngere Schwester in die Jugendfeuerwehr eintraten. Heute ist Samina Welte selbst Betreuerin in der Jugendfeuerwehr. „Wir haben einen guten Grundstock an Mädels“, sagt sie. Allerdings dürften zu den derzeit sieben Mädchen gerne noch welche dazukommen. Die Jugendfeuerwehr sei ähnlich wie andere Jugendgruppen. Es gebe zum Beispiel gemeinsame Spieleabende, auch werde feuerwehrtechnisches Grundwissen vermittelt. Samina Welte hofft darauf, dass es für die Jungs und Mädchen in ein paar Jahren von der Jugendfeuerwehr in die aktive Abteilung geht.

Seit 2007 ist Samina Welte selbst in der aktiven Abteilung der Feuerwehr. „Die Feuerwehr ist einfach eine Männerdomäne“, meint die 28-jährige Mediendesignerin, die in Ravensburg arbeitet.

Viele enge Freundschaften

Trotzdem fühlen sich die wenigen Frauen wohl in der (Männer-)Gemeinschaft. Am Anfang sei es für die alteingesessenen Kameraden noch ungewohnt gewesen, dass Frauen dabei sind. „Inzwischen ist das aber kein Thema mehr.“ Schließlich könnten die Frauen dasselbe leisten. Klar, in manchen Fällen seien Frauen ein wenig körperlich unterlegen. Doch wenn etwa schwere Dinge hochgehoben werden müssen, helfen die Männer auch, erzählt Welte. Bei einem Einsatz schweres Atemgerät tragen? „Wenn man ein bisschen sportlich und fit ist, hält man das durch“, weiß die junge Frau. „Manchmal muss man sich nur ein paar derbere Sprüche anhören“, erzählt Samina Welte und lacht.

Alle Frauen in der Kißlegger Feuerwehr – bis auf eine Quereinsteigerin – seien über die Jugendfeuerwehr in die aktive Abteilung gekommen. Sie sind sozusagen familiär vorbelastet. In der Feuerwehr ist sie auch wegen der guten Gemeinschaft, hier haben sich über die Jahre viele Freundschaften gebildet. „Der Großteil meiner engen Freunde ist auch in der Feuerwehr“, sagt sie. Das Erlebte schweiße auch nochmal zusammen. Wenn es bei einem Einsatz etwa Tote oder Verletzte zu beklagen gebe, reden die Feuerwehrler anschließend darüber, so Welte. „Dieses gute Verhältnis ist wichtig.“

Klar würde sie sich wünschen, dass noch ein paar Frauen zur Feuerwehr kommen. Aber eigentlich komme es gar nicht so sehr darauf an, ob es Männer oder Frauen sind. „Wir brauchen generell mehr Feuerwehrleute, die in Kißlegg arbeiten und schnell einsatzbereit sind“, sagt Welte. Denn das sei das große Problem der örtlichen Feuerwehren, dass die Mitglieder zu weit entfernt arbeiten, um dann im Einsatzfall schnell genug da zu sein.

Wer Interesse hat, sich die Arbeit der Feuerwehrleute mal anzuschauen, kann sich im Internet informieren oder einfach mal bei einer Probe vorbeischauen, sagt Samina Welte. Diese findet alle zwei Wochen donnerstags um 19.30 Uhr statt.

Immer mehr Frauen bei den Landkreisfeuerwehren

Die Zahl der Frauen in den Feuerwehren im Landkreis Ravensburg nimmt stetig zu, freut sich Kreisbrandmeister Oliver Surbeck. Waren 2012 noch 37 Frauen (Jugendfeuerwehr und aktive Abteilung) in den Feuerwehren im Kreis aktiv, so waren es Ende 2016 schon 75. Die meisten Frauen kommen von der Jugendfeuerwehr in die aktive Abteilung. Insgesamt zählte Surbeck Ende des vergangenen Jahres 4037 Einsatzkräfte. Er ist froh über diese Entwicklung. „Das tut den Feuerwehren gut.“ Denn Frauen seien menschlich eine Bereicherung für die Wehren als auch beim Thema Fachkenntnisse. So sei in Weingarten eine Frau Ausbilderin im Bereich Atemschutz, und in Bad Wurzach sei eine Frau die Kommandantin einer Außenabteilung. Auch seien Frauen für Einsätze tagsüber „besser greifbar“, weil sie öfter am Ort seien als Männer. Das Frauenbild habe sich positiv gewandelt: Noch vor 20 Jahren hätten Frauen höchstens in den Funkzentralen gesessen, so Surbeck. „Heute machen sie die gleiche Arbeit wie Männer.“ (mek)

Am Samstag, 28. Januar, hält Samina Welte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Fokus Frau“ um 15 Uhr im Feuerwehrhaus Kißlegg einen Vortrag zum Thema „Feuerlöschen, aber richtig“. Dabei geht es um den Umgang mit Löschdecke und Feuerlöscher. Die Teilnahme ist kostenlos, Interessierte sollten sich aber anmelden unter welte@feuerwehr-kisslegg.de
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